Balkonkraftwerk
Photovoltaikanlagen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit als Option, erneuerbare Energien zu nutzen und auf umweltfreundlichen Solarstrom zu setzen. Besonders in städtischen Gebieten, wo oft keine größeren Solaranlagen installiert werden können, gewinnen Stecker-Solaranlagen als Alternativen an Bedeutung. Diese speziellen Photovoltaikanlagen richten sich gezielt an Mieter und Wohnungseigentümer, die keine eigenen Dachflächen zur Verfügung haben, um die Vorteile der Solarenergie zu nutzen.
Eine solche Anlage, auch bekannt als Balkonkraftwerk oder Mini-PV-Anlage, ist demnach ein Photovoltaik-Modul, das für die Stromerzeugung an Balkonen konzipiert ist. Durch die Nutzung des erzeugten Solarstroms lässt sich nicht nur der Verbrauch aus dem öffentlichen Netz reduzieren, sondern es besteht auch die Möglichkeit, mit Balkonkraftwerken Warmwasser zu erzeugen. Neben den finanziellen Vorteilen leistet ein Balkonkraftwerk gemäß der Bundesnetzagentur einen bedeutenden Beitrag zur Erzeugung umweltfreundlichen Stroms und unterstützt aktiv die Energiewende.
Abgrenzung zu herkömmlichen Photovoltaikanlagen
Die grundlegende Funktion von Balkonkraftwerken und klassischen Photovoltaikanlagen ist ähnlich: Beide wandeln das einfallende Sonnenlicht mithilfe von Solarzellen in elektrischen Strom um, der ins Stromnetz eingespeist wird. Der Hauptunterschied liegt in der Größe und der daraus resultierenden Leistungsfähigkeit der Anlage.
Mit dem Solarpaket 1 erhöhte sich die Beschränkung für Balkonkraftwerk auf maximal 800 Watt Leistung zum Einspeisen ins öffentliche Netz[1], was im Vergleich zu herkömmlichen PV-Anlagen zu einem geringeren Jahresertrag führt. Ein Vorteil des Balkonkraftwerks ist jedoch, dass der erzeugte Strom direkt über die Steckdose in den Haushalt eingespeist wird, ohne separate Einspeise- und Bezugszähler wie bei einer herkömmlichen PV-Anlage.
Funktionsweise
Die kleinen Photovoltaikanlagen bestehen hauptsächlich aus einem Solarmodul, einem Wechselrichter, einem Stecker und der Befestigungsvorrichtung. Das Solarmodul fängt das Sonnenlicht ein und wandelt es in Gleichstrom um. Über den integrierten Wechselrichter wird dieser Gleichstrom in nutzbaren Wechselstrom umgewandelt, der direkt über eine Steckdose ins Stromnetz des Haushalts eingespeist wird.
Typischerweise bestehen Balkonkraftwerke aus ein bis vier Solarmodulen, je nach Größe und Leistungsbedarf. Eine optimale Ausrichtung nach Süden maximiert die Sonneneinstrahlung und damit die Stromproduktion. Optional kann ein Wechselzähler installiert werden, um die erzeugte Strommenge genau zu erfassen. Neben der Verwendung eines üblichen Schuko-Steckers besteht die Möglichkeit, Energiesteckdosen zu nutzen, gegebenenfalls gesichert mit einem sog. „Wieland-Stecker“, um Überlastungen zu vermeiden. Die Installation eines Balkonkraftwerks mit Energiesteckdosen sollte von einer Fachkraft durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass alle elektrischen Anforderungen erfüllt sind.
Zusätzlich zur direkten Nutzung im Haushalt besteht die Möglichkeit, überschüssigen erzeugten Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen und dafür eine Vergütung vom Netzbetreiber zu erhalten. Alternativ kann der überschüssige Strom auch in einem Stromspeicher zwischengespeichert und später bei Bedarf genutzt werden.
Voraussetzungen für die Installation
Entscheidend für die Installation eines Balkonkraftwerks ist der Typ des vorhandenen Stromzählers: Vor der Anschaffung eines Balkonkraftwerks sollte daher unbedingt geprüft werden, ob der vorhandene Zähler kompatibel ist, was über ein Antragsformular bei der örtlichen Netzgesellschaft möglich ist. Wenn der Zähler nicht geeignet ist, muss sorgfältig abgewogen werden, ob sich die Investition in ein Balkonkraftwerk dennoch lohnt, angesichts des zusätzlichen Zeitaufwands und der Kosten für den Zähleraustausch. Wenn beispielsweise ein Ferraris-Zähler installiert ist, kann das Balkonkraftwerk aktuell nicht angeschlossen werden, es sei denn, es erfolgt ein Zähleraustausch.
Neben den technischen Anforderungen wie einem modernen Stromzähler und den erforderlichen Schutzvorrichtungen wie aktuellen Sicherungen und Netz- und Anlagenschutzmaßnahmen ist es entscheidend, dass die Zustimmung der Vermieter oder Eigentümer eingeholt wird. Zudem ist eine formelle Anmeldung sowohl beim örtlichen Netzbetreiber als auch im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur zwingend erforderlich.
Wie viel Strom kann produziert werden?
Moderne Solarmodule für Balkonkraftwerke haben eine Leistung zwischen 300 und maximal 315 Watt pro Modul. Mit solchen Modulen kann ein Balkonkraftwerk etwa 270 bis 290 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Bei der maximalen Anzahl von zwei Modulen ergibt sich ein Jahresertrag von etwas über 500 Kilowattstunden.
Die tatsächliche Stromproduktion eines Balkonkraftwerks ist jedoch stark von der Sonneneinstrahlung abhängig. Die Einsparungen, die ein Balkonkraftwerk ermöglicht, variieren je nach Strompreis und individuellem Verbrauch. Bei einem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch von 2.000 bis 2.500 Kilowattstunden könnten mit einer Mini-PV-Anlage etwa 20 bis 30 Prozent der Stromkosten eingespart werden. Angesichts der tendenziell steigenden Strompreise könnte sich ein Balkonkraftwerk zukünftig sogar noch stärker auszahlen.
Vorteile und Nachteile im Überblick
Balkonkraftwerke bieten mehrere Vorteile für Hausbesitzer. Ein großer Pluspunkt liegt darin, dass der selbst erzeugte Solarstrom effizient genutzt werden kann, auch wenn die Sonne nicht scheint, beispielsweise abends oder an bewölkten Tagen. Dies reduziert die Abhängigkeit von teurem Netzstrom deutlich und spart Kosten. Zudem erhöht sich die Unabhängigkeit vom lokalen Stromnetz, da einige Balkonkraftwerke mit Solarspeichern auch als Notstromversorgung dienen können, z.B. bei Stromausfällen. Diese Systeme sind teilweise sogar mobil einsetzbar, was ihre Vielseitigkeit weiter erhöht.
Balkonkraftwerke haben trotz ihrer Vorteile auch einige Nachteile. Der größte davon ist der hohe Anschaffungspreis, besonders wenn man einen Speicher hinzufügt, der oft über 1.000 Euro kostet. Der Speicher benötigt zudem zusätzlichen Platz auf dem Balkon, was besonders bei begrenztem Raum problematisch sein kann. Im Laufe der Zeit nimmt die Leistung des Speichers ab, was bedeutet, dass er weniger Strom speichern kann als zu Beginn. Darüber hinaus ist die Herstellung und Entsorgung solcher Speicher mit negativen Umweltauswirkungen verbunden, insbesondere durch den Einsatz von Materialien wie Lithium, die abgebaut werden müssen.
Letztlich bieten Balkonkraftwerke Hausbesitzern die Möglichkeit, Sonnenenergie effizient zu nutzen und dadurch ihre Abhängigkeit von teurem Netzstrom zu verringern. Trotz anfänglicher Investitionen sind die kleinen Photovoltaikanlagen eine umweltfreundliche Alternative und tragen zur Reduzierung des CO2-Fußadrucks bei.
Zu diesem Thema hat die Landeskampagne "Energieberatung Saar" (EBS) eigene Fachinformationen erstellt:
Auf der Website der Bundesnetzagentur finden Sie zusätzlich Informationen zum Thema Balkonkraftwerk in Form eines umfangreichen FAQ.
Fußnoten
Weitere Quellen:
https://verbraucherzentrale-energieberatung.de/news-wissen/magazin/balkonkraftwerk/